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Wenn Halme dämmen Dämmplatten aus Schilf oder Napiergras

© Isocalm

Schilfrohr-Dämmung

Wird Schilf zu Matten gebunden, um als Dämmmaterial das Haus zu isolieren, sind es nicht zuletzt die Hohlräume in den Halmen, die für eine gute Isolierung sorgen. Die in den Halmen stehenden Luftmassen speichern die Wärme besonders gut. Bei der Herstellung werden die Rohrhalme immer in derselben Richtung verlegt, mechanisch gepresst und auf die gewünschte Größe geschnitten. Um die Halme fest miteinander zu verbinden, werden in der Regel verzinkte Stahldrähte verwendet.

Neben guten Dämmwerten verfügt Schilf als Wasserpflanze über eine sehr gute Wasserdampfdiffussionsfähigkeit und grundsätzlich durch einen hohen Siliciumanteil im Halm über eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen Nässe, Fäulnis, Pilze und Schädlinge.  Dieser hohe Kieselsäuregehalt sorgt auch für die brandhemmende Eigenschaft des Materials.

Napiergras-Dämmplatten

Vergleichbar mit Schilfrohrdämmplatten sind ebenfalls diffusionsoffene Platten aus Napiergras aufgebaut: Möglichst lange Halme werden gepresst und fest miteinander verbunden. Auch hier dämmen sowohl das Material selbst als auch die in den Halmen stehenden Luftmassen. Ein Unterschied besteht allerdings darin, dass die Halme des Napiergrases nicht so gerade gewachsen sind wie Schilfhalme. Die Grashalme haben Verzweigungen und Knoten, so dass sie nicht so dicht beieinander liegen können und bei der Schichtung im Herstellungsprozess verfilzen. So ergibt sich eine relativ leichte Platte mit guten Dämmeigenschaften. Außerdem wird das in einem Pressrahmen verdichtete Gras mit Jutegarn abgenadelt, um die Halme zu verbinden. Das erleichtert später das Zuschneiden auf der Baustelle.

Das auch als Elefantengras bezeichnete Napiergras wächst im tropischen Grasland  Afrikas und wird in großem Maße nicht genutzt sondern abgebrannt oder verdörrt. Dieses Gras mit der lateinischen Bezeichnung Pennisetum purpureum ist nicht zu verwechseln mit dem ebenfalls umgangssprachlich als Elefantengras bezeichneten Miscanthus giganteus, das beispielsweise als Biomasse Verwendung findet.

Weitere Eigenschaften der Dämmstoffe

Beide Dämmmaterialien können neben Feuchte- auch hohe Temperaturschwankungen ausgleichen und bieten so einen sehr guten sommerlichen Hitzeschutz. Zudem wird für die Herstellung der Platten sehr wenig Energie aufgewendet und es sind keine chemischen Zusätze notwendig, so dass beide Materialien als schadstofffrei gelten.
Etwas problematischer wird es beim Recycling der verputzten Platten, da die Abfallentsorger das Material dann als Verbundbaustoff betrachten und entsprechend behandeln. Das ist ärgerlich, denn würde man es beispielsweise schreddern, könnte es auf Grund seiner Zusammensetzungen einfach verrotten.

Anwendung

Schilf- und Napiergrasdämmplatten können sowohl für die Dämmung der Wand als auch als Dach-, Decken- und Bodendämmung eingesetzt werden. In Decken liegt ihre Hauptaufgabe in der Trittschalldämmung. Gerade für die nachträgliche Dämmung von Holzbalkendecken sind beide Materialien sehr gut geeignet.

Soll die Außenwand gedämmt werden, muss sehr genau geguckt werden, wie stark diese der Witterung ausgesetzt ist. Auch wenn die Platten als Außendämmung am Ende verputzt werden, kann hier ein zusätzlicher konstruktiver Schutz der Wand sowie unter Umständen eine feuchteunempfindliche Trennschicht im Bereich der Grundmauern sinnvoll sein. Die Schilf- und Napiergrasdämmplatten dienen nicht nur der Isolierung, sondern auch als Putzträger, beispielsweise für einen Außenputz aus Kalk. Klassischerweise wird gerade die Schilfdämmung häufig als Innendämmung in denkmalgeschützten Fachwerkhäusern verwendet und mit einem ebenso diffussionsoffenen Lehminnenputz kombiniert. Gleiches ist für Napiergrasdämmplatten möglich. Die Dämmplatten werden nass-in-nass in eine zunächst auf die Wand aufgebrachte Mörtelschicht gebettet und je nach Untergrund zusätzlich gedübelt oder genagelt. Durch ihre Struktur und Beschaffenheit lassen sie sich besonders gut an unebene Oberflächen anpassen. Sowohl Schilf- als auch Napiergrasplatten lassen sich sehr gut mit einer Wandheizung kombinieren!
Als Kerndämmung in einer Holzständerkonstruktion sollte diese übrigens mit einer Außendämmung ergänzt werden, so dass die Holzständer, die den Rahmen der Kerndämmung bilden, nicht als Wärmebrücken fungieren.

Um das Dach zu isolieren, können die Matten als Untersparren- oder Aufsparrendämmung eingesetzt werden. Natürlich isolieren sie auch zwischen den Sparren. Ähnlich wie bei den Holzständern der Wand verhält es sich allerdings mit den Sparren des Daches, die ebenfalls nicht zu Wärmebrücken werden dürfen. Eine Zwischensparrendämmung sollte daher mit einer Aufsparrendämmung ergänzt werden.

Für beide Materialien muss eine Zulassung im Einzelfall eingeholt werden.

 

Übersicht

Wärmeleitfähigkeit 0,055 W/mK
spezielle Wärmespeicherkapazität 1.200 J/(kg.K)
Rohdichte 225 kg/m3
Dampfdiffusionswiderstand 2
Baustoffklasse meistens B2 (normal entflammbar)

 

Empfohlene Hersteller