Herbsthimbeeren - Sorten, Anbau und Pflege

Können bis in den frühen Herbst geerntet werden und schmecken zuckersüß. Herbsthimbeeren © Markus Boos

Die Himbeere gilt vielen als die Königin unter den Obstarten. Ihr süß-säuerlicher, fruchtiger Geschmack und das feine Aroma machen sie zu einer begehrten Naschfrucht, aber auch als Belag auf Kuchen oder als Fruchtaufstrich sind sie beliebt.
Doch leider ist der Anbau von Sommerhimbeeren nicht einfach. Vor allem verschiedene Pilzkrankheiten (Rutensterben, Wurzelfäule, Botrytis) und Schädlinge (Himbeerkäfer) machen bei der zweijährigen Anbauform starke Probleme.
Beim Anbau von Herbsthimbeeren geht man diesen Problemen elegant aus dem Weg.

Rutenkrankheiten

Sommerhimbeeren tragen an den Seitentrieben einjähriger Ruten. Dies macht sie anfällig für das sogenannte Rutensterben. Dabei handelt es sich um verschiedene Pilzarten, die über Risse in der Rinde in die Pflanzen eindringen und diese im Folgejahr (dem Erntejahr) schwächen, bzw. ganz absterben lassen. Hinzu kommen mögliche Auswinterungsschäden durch Frost.
Herbsthimbeeren tragen hingegen bereits im selben Jahr Früchte, in dem die Ruten aus dem Boden sprießen. Da dies länger dauert beginnt die Ernte jedoch entsprechend später (daher der Name Herbsthimbeere). Je nach Region und Saison beginnt die Erntezeit Anfang / Ende August und dauert bis zum ersten Frost, was manchmal erst Mitte / Ende Oktober der Fall ist. Im Winter werden die Ruten dann bodennah komplett abgeschnitten und treiben im Frühjahr wieder neu aus. Da sich die Rutenkrankheit erst im zweiten Standjahr auf die Pflanzen auswirkt bleiben die Herbsthimbeeren davon verschont.

Dem Himbeerkäfer ein Schnippchen schlagen

Diese Strategie funktioniert auch beim Himbeerkäfer. Dieser sorgt bei Sommerhimbeeren regelmäßig für Ausfälle in Form von Maden in den Beeren. Da die Lebenszyklen von Himbeerkäfer und Sommerhimbeere aufeinander abgestimmt sind, bleiben die Herbsthimbeeren durch den späteren Reifezeitpunkt der Beeren von diesem unangenehmen Schädling verschont.

Standortbedingungen und Pflanzung

Himbeeren sind Waldpflanzen und reagieren empfindlich auf Staunässe. Sie bevorzugen einen lockeren, wasserdurchlässigen Boden mit viel organischer Substanz. Bei der Pflanzung sollte deshalb der Boden mit reichlich gut verrottetem Kompost angereichert werden. Es empfiehlt sich die Herbsthimbeerpflanzen in einen leichten Damm zu pflanzen. Je schwerer (tonhaltiger) der Boden ist, desto höher kann der Damm ausfallen. Die Dammform erleichtert auch das Freihalten des Pflanzstreifens von Unkraut.
Da Himbeerpflanzen in Baumschulen und Gartencentern fast ausschließlich als Containerpflanzen angeboten werden, können sie grundsätzlich das ganze Jahr über gepflanzt werden (außer wenn der Boden gefroren ist). Der beste Zeitpunkt ist jedoch der Spätherbst, denn auch im Winter wachsen die Wurzeln und sorgen dafür, dass die Pflanzen im Frühjahr besser Austreiben können.
Der Pflanzabstand beträgt in der Reihe ca. 40 cm und zwischen den Reihen ca. 150 cm. Der Wurzelballen sollte mit der umliegenden Erde auf gleicher Höhe abschließen (keine Erde auf den Wurzelballen geben). Nach der Pflanzung sollte der Pflanzstreifen mit gut verrottetem Kompost bedeckt werden. Dies sorgt für eine gleichmäßige Nähstoffversorgung, hat eine Unkraut unterdrückende sowie Boden verbessernde Wirkung. Hinzu kommt, dass eine Mulchschicht den Boden vor Austrocknung schützt. Weniger gut geeignet ist Rindenhäcksel als Mulchmaterial, denn durch das sehr weite C/N-Verhältnis (es enthält sehr wenig Stickstoff im Verhältnis zum Kohlenstoff) verrottet dieses Material zwar langsamer und muss daher seltener ersetzt werden, allerdings wird dadurch Stickstoff im Boden gebunden, was zu einer Wuchsminderung führen kann. Wird mit Rindenhäcksel gemulcht, so sollte auf jeden Fall vorher eine Ausgleichsdüngung mit einem organischen Stickstoffdünger erfolgen.

Stützgerüst

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So gepflanzt, wachsen die Ruten durch die Gittermaschen und müssen nicht angebunden werden.

Herbsthimbeeren haben eine deutlich geringere Wuchshöhe (bis ca. 150 cm) als Sommerhimbeeren (bis ca. 250 cm). Dadurch bestehen deutlich geringere Anforderungen an das Stützgerüst. Das Anheften jeder einzelnen Rute an ein Drahtgerüst ist nicht erforderlich. Statt dessen haben sich zwei einfache Gerüstformen durchgesetzt.

  1. In etwa 80 cm Höhe wird ein ca. 50 cm breites, weitmaschiges Drahtgitter horizontal angebracht. Die Ruten wachsen von unten durch die Gitteröffnungen und finden dadurch Halt. Ruten, die am Gitter vorbei wachsen müssen rechtzeitig von Hand „eingefangen“ werden.
  2. Statt einem Drahtgitter werden im Abstand von 50 cm zwei Drähte gespannt. Zur Stabilisierung können die Drähte durch Drahtklammern alle 3-4 m zusammengehalten werden (siehe Abbildung).

Bei langen Pflanzreihen ist das zweite Gerüstsystem im Vorteil, da es deutlich flexibler ist.

Düngung

Himbeeren haben keinen besonders hohen Nährstoffbedarf. Durch den jährlichen Rückschnitt der Ruten, wird jedoch eine gewisse Menge an Stickstoff dem System entzogen. Wer regelmäßig mit Kompost mulcht führt jedoch auch wieder Nährstoffe in das System ein. Je nach Menge, Qualität und Beschaffenheit des Kompostes ist also eine Zusatzdüngung meist nicht erforderlich. Wenn eine Zusatzdüngung erforderlich sein sollte, dann kann dies durch einen organischen Stickstoffdünger (z.B. auf Vinasse- oder Hornspäne-Basis) im zeitigen Frühjahr geschehen.

Pflege und Rückschnitt

Die Pflege von Herbsthimbeeren ist  recht einfach. Ruten die zu weit außerhalb des Pflanzstreifens wachsen können im Frühjahr entfernt werden. Sollte die Zahl der Ruten 10 bis 15 je Laufmeter überschreiten, so können überzählige, schwache Pflanzen ebenfalls bodennah abgeschnitten werden. Dies stärkt die verbleibenden Ruten und führt zudem zu lockeren, gut durchlüfteten Beständen, die weniger anfällig für Pilzkrankheiten sind.
Da Himbeeren ein sehr flaches Wurzelwerk haben, sollte die Bodenbearbeitung mit der Hacke zur Unkrautbekämpfung vorsichtig durchgeführt werden. Himbeeren benötigen eine möglichst ausgeglichene Wasserversorgung, reagieren gleichzeitig jedoch empfindlich auf Staunässe (Phytophtora-Wurzelfäule). Eine Mulchschicht hat hier eine ausgleichende Wirkung.
Im Januar werden alle Ruten bodennah abgeschnitten. Um auf den Ruten überwinternde Raubmilben eine Wiederbesiedelung der neuen Ruten im Frühjahr zu erleichtern, sollten einige Ruten auf dem Boden bis nach dem Austrieb verbleiben.

Sorten

Bleibt noch die Frage nach der richtigen Sorte. Über viele Jahre war die Sorte Autumn Bliss die wichtigste Herbsthimbeersorte. Mittlerweile gibt es aber auch eine Reihe interessanter Neuzüchtungen, wie z.B. Himbo-Top, Polka oder Autumn First, die für einen Anbau im eigenen Garten interessant sind. Ausführliche Informationen finden sich hierzu in Kürze in einem eigenen Artikel.