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Kaseinfarbe - Quark bindet

© fotolia, Syda Productions

Zusammensetzung

Kasein ist der Proteinanteil der Milch, der auch zu Käse verarbeitet werden kann – oder zu einer umweltgerechten, wohngesunden Wandfarbe! Im Anstrichmittel, also  der Farbe, wirkt es als Bindemittel. Kaseinfarbe kann als Pulver gekauft werden, das dann nur noch mit Wasser angerührt wird. Es gibt aber auch Farbe in Pulverform, in der das Kasein noch fehlt und in Form von Magerquark beigemischt werden muss. Schließlich lässt sich Kaseinfarbe auch komplett selbst mit Magerquark und Sumpfkalk herstellen.
Um das Kasein nutzen zu können, muss es durch die Zugabe von Säure oder Lab „ausgefällt“ werden. Dieser Vorgang ist im Quark bereits abgeschlossen. Kasein als Bindemittel zu verwenden, setzt voraus, dass es muss es „aufgeschlossen“ wird, also die Eiweiße verflüssigt werden, so dass eine glatte, homogene Masse entstehen kann. Hierfür können beispielsweise Sumpfkalk oder Soda verwendet werden. Wichtig ist, dass Quark mit geringem Fettgehalt (Magerquark) genommen wird, da ein zu hoher Fettgehalt die Bindekraft mindert. Ein höherer Eiweißgehalt dagegen erhöht die Bindekraft. Nun können noch Pigmente oder andere Farbmittel ergänzt werden. Kreide oder Marmormehle sorgen für einen besonders weißen Ton und hohe Deckkraft.

Eigenschaften

In der Regel wird säuregefälltes Kasein verwendet. Um die Wasserfestigkeit zu erhöhen, kann beispielsweise Ammoniumkasein (Aufschluss durch Ammoniumkarbonat) genommen werden. Soll hingegen die Haltbarkeit der Kaseinfarbe erhöht werden, wird häufig Borax als Konservierungsmittel eingesetzt. Dies wirkt sich allerdings negativ auf die Feuchtebeständigkeit aus. Besser geeignet ist hierfür Kalk, der die Wasserfestigkeit nicht heruntersetzt.
Da Kaseinfarbe über eine sehr hohe Bindekraft verfügt, ist es notwendig, hinreichend Füllstoffe zu verwenden, die verhindern, dass die Farbe von der Wand blättert. Besonders gut eignen sich hierfür Sumpfkalk oder Kreide. Jeder weiß, wie stark Eiweiße kleben können und kann sich vorstellen, dass bei einer zu hohen Beimischung von Kasein, Risse entstehen können. Gerade bei instabilen Untergründen kann die Farbe abplatzen. Wird hingegen zu wenig Kasein beigefügt, neigt die Farbe zum Kreiden. Die Rezepturen sind in der Regel jedoch einfach und eindeutig, so dass ein Über- oder Unterdimensionieren nicht passieren sollte.

Untergründe

Kaseinfarben eignen sich sehr gut für einen Untergrund aus Kalkputz. So bleibt der gesamte Aufbau diffusionsoffen und mineralisch. Aber auch Lehmputz und Kaseinfarbe vertragen sich sehr gut. In der Regel würde auf einen Putz aus Lehm allerdings vermutlich auch eine Lehmfarbe aufgetragen werden. Grundsätzlich ist die Farbe für alle mineralischen Untergründe oder auch Rauhfasertapeten geeignet. Dass die Mischung aus Quark und Kalk nicht nur ökologisch unbedenklich und gesund ist, sondern auch eine hervorragende Qualität aufweist, zeigt sich darin, dass in einigen Kirchen noch heute jahrhundertealte Kaseinanstriche erhalten sind.

In Deutschland hat sich die mit dem Markennamen Plakafarbe bekannte Kaseinfarbe einen Namen gemacht. Sie eignet sich nicht nur als Wand-, sondern auch als Künstlerfarbe, die sich auf Papier, Leinwand und vor allen Dingen Holz sehr gut auftragen lässt.

Rezepte

Mehr und mehr kommen Hausbesitzer wieder auf alte Rezepturen zurück, wenn es um Putze und Anstriche geht. Auch für die Herstellung von Kaseinfarben liegen unterschiedliche Zusammensetzungen vor. So kann mit Hühnereiweiß eine leicht glänzende Oberfläche erzielt werden. Aber auch mit ganz einfachen Rezepten, wie Magerquark + Weißkalkhydrat + Wasser, lassen sich bereits sehr gute Ergebnisse erzielen.
Da die beigefügten Aufschlussmittel sehr alkalihaltig sind, sollten bei der Verwendung von Kaseinfarben immer Haut und Augen gut geschützt werden.