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Luftkalkputz Für Feinputze und Stuck eignet sich Luftkalk

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Reine Luftkalke bestehen zu nahezu 100 Prozent aus Calciumkarbonat.
Sie werden durch Brennen von reinem Kalk- oder Dolomitgestein hergestellt, das nicht mehr als 5 Prozent Ton- oder Lehmanteil hat. Er unterscheidet sich von hydraulischem Kalk dadurch, dass er keine hydraulischen Eigenschaften besitzt. Das heißt, er bindet nicht unter Wasser ab, sondern erhärtet ausschließlich an der Luft durch Karbonatisierung, also durch Anlagerung von Kohlendioxid. Seine Druckfestigkeit ist mit 1 N / mm2 relativ niedrig. Auf der anderen Seite entsteht aus Luftkalk eine besonders ergiebige und geschmeidige Masse mit hohem Porenvolumen. Luftkalkputz ist sehr plastisch, was für eine leichte Verarbeitung sorgt. Außerdem ist er elastisch und kann so geringe Setzungen ohne Rissbildung ausgleichen. Schließlich ist auch das Feuchteverhalten von Luftkalk besonders günstig. Kalkputze gelten allgemein als dampfdurchlässig und sorptionsfähig, Luftkalkputze erreichen sogar ähnlich gute Werte wie Lehmputz.

Zuschläge im Luftkalkputz

Putze und Mörtel bestehen aus Sand, Wasser und einem Bindemittel, in diesem Fall dem Kalk. Unter Zuschlägen versteht man natürliche und künstliche Gesteinskörnungen, also beispielsweise Sande im Mörtel oder Kies im Beton. Die Auswahl der Zuschläge spielt eine große Rolle für die Qualität des Mörtels. So sind beispielsweise gewaschene, von lehmigen Feinanteilen befreite Sande besser als ungewaschene. Die Zuschlagstoffe geben dem Mörtel Zusammenhalt und Festigkeit und können seine Eigenschaften begünstigen. So können weitere Zuschlagstoffe beispielsweise die Porosität erhöhen und die Masse damit durchlässiger für Kohlendioxid machen. Bei den Zuschlagstoffen ist zu beachten, ob diese Einfluss auf das Abbindeverhalten des Kalkes nehmen oder nicht. Man kann einem hochwertigen Sumpfkalkputz anteilig den mineralische Zuschlagstoff Vermiculite und Blähglas (recyceltes Altglas) beimengen, um verschiedene Eigenschaften des Kalkputzes zu optimieren, ohne dass er dadurch sein Abbindeverhalten ändert. Er bleibt ein Luftkalk. Zusatzstoffe wie Portlandzement, natürliche Puzzolane, Trass oder Ziegelmehle hingegen wirken sich auf das Abbindeverhalten aus und machen aus einem Luftkalk einen hydraulischen Kalk.

Wo wird Luftkalk eingesetzt

Luftkalk gemischt mit Feinsand eignet sich besonders für Feinputze und Stuckarbeiten. Denn aus reinen Kalken mit einem hohen Anteil an Calciumcarbonat lässt sich besonders gut Sumpfkalk herstellen. Dieser wiederum ist ideal für Anstriche und anstrichähnliche Deckputze. Als Innenputz wird gerade Luftkalkputz auf Grund seiner positiven Eigenschaften im Bezug auf das Raumklima sehr gerne genommen. In mechanisch stark beanspruchten Situationen sind Luftkalkputze auf Grund ihrer geringeren Festigkeit allerdings nur bedingt einsetzbar.

Reiner Luftkalkputz an Außenfassaden ist durch die fehlenden hydraulischen Eigenschaften kritisch. An geschützten Fassaden kann er mit einem zusätzlichen Anstrich mit Kalk- oder Silikatfarbe versehen oder durch Zusätze verbessert werden. An ungeschützten Fassaden können starke Hitze, Regen, Frost, stehende Nässe, kapillar steigende Feuchtigkeit oder Salze bewirken, dass Putz und Träger voneinander getrennt werden. Daher sollten Bauteile so gestaltet werden, dass Wasser schnell abfließen und verdunsten kann. Der Kalkspezialist Ruedi Krebs benennt in dem Buch „Über Putz, Oberflächen entwickeln und realisieren“ sehr konkret Bauteile, an denen Luftkalkmörtel gut eingesetzt werden kann. Hierzu gehört auch die Fassade, wobei er empfiehlt, dem Grundputz eventuell Ziegelschrot, Schlemmen und Tünchen beizumischen, um die hydraulischen Eigenschaften zu verbessern.

Verarbeitungstipps

Abgesehen davon, dass Putze mit Farbpigmenten in nahezu jeder Farbnuance hergestellt werden können, lässt sich auch die Oberfläche des Deckputzes individuell mit Strukturen, einer Seifenpolitur oder durch die Zugabe von Pflanzenfasern, die gleichzeitig der Armierung dienen, gestalten.

Putzsysteme lassen sich übrigens auch aus Luftkalk und hydraulischem Kalk kombinieren. Bei der Schichtung unterschiedlicher Putze muss allerdings unbedingt das Festigkeitsgefälle beachtet werden! Zum Beispiel würde sehr fester Zementhaltiger Putz auf einem Lehmuntergrund flächig abscheren. Hier wäre also ein weicher Luftkalkputz die richtige Wahl.