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Wetter erprobt Klinker und Vormauerziegel

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Vormauerziegel im Allgemeinen und Klinker im Besonderen gelten als besonders resistent gegen starken Wind und Schlagregen und sind daher beispielsweise in Norddeutschland besonders häufig zu finden. Gerade in einem Aufbau als zweischaliges Mauerwerk mit Kerndämmung und Luftschicht funktioniert der natürliche Luft- und Feuchtigkeitsaustausch sehr gut und sorgt für ein gesundes und natürliches Wohnklima.

Der Klinker unterscheidet sich vom Vormauerziegel dadurch, dass durch eine sehr hohe Brenntemperatur von circa 1.300° C entweder der ganze Ziegel (Keramik-Klinker) oder nur seine Oberfläche (Klinker) gesintert ist. Das heißt, die Poren werden nahezu geschlossen, wodurch der Klinker seinen typischen glasigen Charakter erhält. Die Druckfestigkeit wird deutlich erhöht und die Fähigkeit Wasser aufzunehmen reduziert sich auf maximal 6 Masse-Prozent. Die Frostwiderstandsfähigkeit von Klinker und Vormauerziegeln muss immer nachgewiesen werden.

Natürlich und witterungsbeständig

Klinker werden aus natürlichen Rohstoffen wie Ton, Lehm oder tonhaltigen Massen hergestellt und sind demzufolge recycelbar. Sein Gefüge ist dicht und druckfest, aber durch den geringen Luftporenanteil verfügt er über eine geringe Dämmwirkung.
Die Lebensdauer von Vormauerziegeln und Klinkern ist sehr lang und eine Klinkerfassade nahezu wartungsfrei. Beeindruckenderweise wurden bereits im 19. Jahrhundert sehr viele Kanalnetze mit Klinkern ausgemauert, die heute noch voll funktionstüchtig sind. Er ist dauerhaft farbecht und unempfindlich gegen UV-Strahlen sowie durch die keramische Oberfläche auch gegen Schmutz und Algen.
Der Energieaufwand für die Herstellung gerade von Klinkern ist allerdings durch die hohen Brenntemperaturen relativ hoch.

Farbigkeit und Struktur an der Fassade

Abgesehen davon, dass Klinker und Vormauerziegel außer im klassischen Rot in einer Vielfalt weiterer Töne von Schwarz, verschiedenen Grau- bis hin zu Gelb- und hellsten Weißtönen angeboten werden, sind allein schon innerhalb der Rotabstufungen unterschiedliche Farbigkeiten möglich. Je länger der Ziegel beispielsweise gebrannt wird und je höher die Temperaturen beim Brennvorgang sind, desto dunkler wird das Rot. Ebenso spielt der Sauerstoffanteil eine Rolle: Je stärker er reduziert wird, desto mehr geht die Farbigkeit zu Schwarz und Blauschwarz. Aber auch innerhalb der gleichen Randbedingungen sieht ein Ziegel nicht hundertprozentig aus wie der nächste, daher sollten die Steine immer aus mehreren Paketen entnommen und gemischt verbaut werden.
Je nach Art des Rohstoffs, also der verwendeten Tone, sowie durch unterschiedliche Herstellungsverfahren (Press- und Brennverfahren) und Oberflächenbehandlungen können außerdem verschiedenste Oberflächenstrukturen erreicht werden.

Konstruktion und Verarbeitung

Klinker und Vormauerziegel werden in der Regel als äußerer Wetterschutz in eine zweischalige Wand eingebunden. Dabei bildet eine so genannte Hintermauer die tragende Wand, die dann in der Regel gedämmt wird. Vor diese Dämmschicht wird dann mit Abstand (Fingerspalt), ähnlich dem Prinzip der vorgehängten Fassade, die Vormauer gesetzt und mit Luftschichtankern an der tragenden Wand befestigt. Die Luftschicht sorgt für schnelle Entfeuchtung und ein insgesamt ideales Feuchtigkeitsverhalten der Konstruktion.
Wichtig ist prinzipiell, den Mörtel an die Saugfähigkeit des Ziegels anzupassen und so sorgfältig zu arbeiten, dass kein Mörtel in die Luftschicht gelangt, da dies sonst zu Wärmebrücken führen kann.

Alternativ zu diesem Wandaufbau setzt man Klinker und Vormauerziegel in Form von Riemchen oder Flachverblendern auch als Wetterschale in Wärmedämmverbundsystemen ein. Statt eines Oberputzes werden dann die sehr flachen Steine direkt auf die Dämmung geklebt. Es sind auf dem Markt inzwischen auch Fassadenelemente erhältlich, bei denen Riemchen direkt auf Dämmplatten aus Hartschaum verklebt sind. Wegen der hohen Diffusionsdichte der Klinker muss dabei der Gesamtaufbau sorgfältig geprüft werden, damit es nicht zu einer Durchfeuchtung der Dämmung kommen kann.

Klinkerriemchen

Hinter dieser Bezeichnung verbergen sich Klinkersteine mit einer Stärke von nur 14mm. Sie werden auf Wärmedämmverbundsysteme geklebt wodurchs sich der Eindruck eines Sichtmauerwerks erzielen lässt und gleichzeitig eine optisch ansprechende und hochwertige Fassadenoberfläche geschaffen werden.

Optik

Wem die Klinkerfassade zu glatt und einheitlich erscheint, kann die Rückseite der Steine als Sichtseite verwenden, als so genannte Fußsortierung. Sichtbar abgeplatzte Kanten und andere Herstellungsspuren bieten eine individuelle und natürliche Optik. Dies ist allerdings nicht mit jedem Klinker möglich.

Eine andere Variante sind Klinkersteine mit einem verstärkten Rand, die so verlegt werden können, dass die nicht sichtbare Lagerfuge in ausreichender Höhe vorhanden ist, während in der Ansicht ein fast fugenlos Bild erscheint.

Grundsätzlich können auch Handformziegel mit unregelmäßiger Oberfläche als Vormauerziegel verwendet werden.