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Finanzielle Zuschüsse für die Dachbegrünung

Wegweiser durch den Förderdschungel

In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Fördermaßnahmen für umweltgerechtes und energieeffizientes Bauen. Einige Programme befassen sich auch mit der Dachbegrünung bei Neubauten und Sanierungen. Die Palette reicht von direkten finanziellen Zuschüssen über Kostenersparnisse bei den jährlichen Niederschlagswassergebühren bis hin zu zinsgünstigen Krediten. Aus Unwissenheit wird das Potenzial der kommunalen und staatlichen Programme allerdings häufig nur unzureichend genutzt.

Direkte Zuschüsse für Dachbegrünung

Der Grünanteil in der Wohnumgebung ist ein wichtiger Faktor für die Umwelt- und Lebensqualität der Stadtbewohner. Deshalb gewähren einige Kommunen attraktive finanzielle Starthilfen für Dachbegrünungen. Neben größeren Städten wie beispielsweise Stuttgart, München, Karlsruhe, Gießen und Darmstadt setzen auch kleinere Gemeinden (z.B. Aichtal, Bühl, Heusweiler) dieses Instrument sehr erfolgreich ein. Die Fördergelder liegen vielfach bei 10-20 Euro pro m² begrünter Fläche. Teilweise wird seitens der Kommune aber auch ein prozentualer Anteil übernommen, der zwischen 25% und 100% der anrechenbaren Herstellkosten liegen kann. Durch die Zuschüsse sollen Eigentümer von privat oder gewerblich genutzten Immobilien dazu motiviert werden, aus Eigeninitiative zusätzliche Grünflächen auf den Dächern der Stadt zu schaffen und damit die Versiegelung am Boden zu kompensieren. In der Regel sind Dachbegrünungen, die aufgrund gesetzlicher Verpflichtungen (z.B. als Auflage bei der Baugenehmigung) festgesetzt wurden, von den direkten Zuschüssen ausgenommen. Neben den kommunalen Fördermitteln ist das einzige Bundesland mit einem speziellen Förderprogramm für begrünte Dächer derzeit der Stadtstaat Bremen. Das landesweite Förderprogramm in Nordrhein-Westfalen, das in die „Initiative ökologische und nachhaltige Wasserwirtschaft in NRW“ eingebunden war, ist Ende 2005 ausgelaufen.

Beispiel
Förderprogramm Bremer Dächer – grün und lebendig
Objekte: Neubau oder Sanierung
Dachbegrünungstyp: Extensiv
Finanzieller Zuschuss: 25 % der Kosten ab Oberkante Dachabdichtung, Fördersumme pro Objekt maximal 5.000 Euro

Trend +/-

Die Situation in den Stadtsäckeln hat sich in letzten beiden Jahren wieder etwas entspannt. Ob dies dazu führt, dass weitere Kommunen auf den Zug aufspringen und direkte finanzielle Zuschüsse für Dachbegrünung bereitstellen, ist aber eher fraglich. Allerdings gibt es immer wieder stadteilbezogene Kampagnen und Wettbewerbe, bei denen das Wohnumfeld gezielt durch die Förderung begrünter Dächer verbessert werden soll. Eine Nachfrage beim Stadtplanungs- oder Umweltamt lohnt sich deshalb auf jeden Fall.

Reduzierte Niederschlagswassergebühren

In Deutschland werden bereits 67% aller Abwasserrechnungen nach dem gesplitteten Gebührenmaßstab erstellt. Bei Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern liegt die Quote sogar bei über 80%. Die Trennung in Niederschlagswasser- und Schmutzwassergebühren ist keine zusätzliche Einnahmequelle für die Kommunen, sondern sorgt für eine gerechtere Verteilung der Abwasserkosten. Gleichzeitig wird die naturnahe Regenwasserbewirtschaftung gefördert. Grundlage für die Berechnung der Niederschlagswassergebühr ist die bebaute und/oder befestigte Grundstücksfläche. Wer großflächig versiegelt (z.B. Einkaufszentren mit ausgedehnten Parkarealen) und mit den anfallenden Niederschlagswassermengen die städtischen Kanalsysteme und Kläranlagen belastet, wird deshalb besonders stark zur Kasse gebeten. Begrünte Dachflächen, die einen Großteil der Niederschläge speichern und das überschüssige Restwasser erst mit zeitlicher Verzögerung abgegeben, werden dagegen als Entsiegelungsmaßnahmen anerkannt und häufig mit einer Gebührenreduktion belohnt. Dies kann, je nach Höhe der kommunalen Niederschlagswassergebühr, bis zu 1 Euro pro m² Dachfläche und Jahr ausmachen. Wenn der Kanalanschluss der Dachfläche durch den Regenwasserrückhalt der Begrünung entfallen kann, ist sogar eine komplette Gebührenbefreiung möglich.

Beispiel
Niederschlagswassergebühr in Berlin
Objekte: Neubau oder Sanierung
Dachbegrünungstyp: Extensiv- und Intensivbegrünungen
Gebührenermäßigung für begrünte Dächer: 50%
Niederschlagswassergebühr: 1,63 Euro / m² (Stand Januar 2007)

Trend ++
In den nächsten Jahren muss mit weiter steigenden Abwassergebühren gerechnet werden. Seit Anfang der 80er Jahre haben sich die Kosten in diesem Bereich im bundesweiten Mittel annähernd vervierfacht. Setzt man die durchschnittliche Lebensdauer einer Dachbegrünung mit 40 Jahren an, können die Einsparungen bei den Niederschlagswassergebühren in Summe die Kosten für die Installation des Gründaches übertreffen.

Förderprogramme der KfW-Bank

Klimaschutz und CO2-Reduzierung sind ein Gebot unserer Zeit. Deshalb unterstützt der Bund Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs, zur Solarstromerzeugung und zur Verbesserung der Umweltsituation aktiv über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die Förderung erfolgt in der Regel auf Basis deutlich zinsverbilligter Darlehen. In einzelnen Programmen sind aber auch rückzahlungsfreie Zuschüsse möglich. Je nach Systemaufbau und Einsatzschwerpunkt kann das Multi-Talent Dachbegrünung in verschiedenen Förderbereichen punkten.

Fall 1: Normale Dachbegrünung
Zur Modernisierung und Instandhaltung von Altimmobilien können sowohl extensive als auch intensive Dachbegrünungen eingesetzt werden. Beide Maßnahmen eignen sich, um bei selbst genutzten oder vermieteten Wohngebäuden den Gebrauchswert zu erhöhen und die Wohnqualität nachhaltig zu verbessern.

Förderung über das Programm „Wohnraum Modernisieren STANDARD“

Fall 2: Wärmedämmende Dachbegrünung
Über die CO2-Minderungsprogramme ist eine Förderung von Dachbegrünungs-Systemen möglich, die den Wärmeschutz des Daches bei Sanierungsobjekten nachweisbar verbessern. Voraussetzung ist, dass die technischen und energetischen Anforderungen der jeweils aktuellen Energieeinsparverordnung (EnEV) erfüllt werden. Dies wird über den Einsatz spezieller Drainageelemente im Systemaufbau gewährleistet, die einen garantierten Wärmedurchlasswiderstand gemäß bauaufsichtlicher Zulassung besitzen. Die vorhandene Grundwärmedämmung kann so bedarfsgerecht durch die Aufbringung der Dachbegrünung ergänzt werden.

Förderung über die Programme „CO2-Gebäudesanierung“

(Maßnahmenpakete 0,1,2; Kredit- / oder Zuschussvariante) und „Wohnraum Modernisieren ÖKO-PLUS“

Fall 3: Dachbegrünung und Photovoltaik
Solaranlagen und Dachbegrünungen ergänzen sich optimal. Dies gilt neben dem erhöhten Wirkungsgrad von PV-Modulen auf naturgekühlten Gründächern auch für die Beantragung zinsverbilligter Darlehen bei der KfW-Bank. Wenn bei der Installation das Dachbegrünungs-Paket für eine durchdringungsfreie Fixierung der Solaranlage auf der Dachfläche genutzt wird, können Teile der Begrünung über den Investitionskredit für die Photovoltaikanlage mitfinanziert werden. Dies betrifft neben der Substratschicht auch die Solarbasisplatten und Schutzlagen.

Förderung über das Programm „Solarstrom Erzeugen“

Trend ++
Jedes Jahr stehen allein in Deutschland aufgrund von Undichtigkeiten und unzureichender Wärmedämmung Millionen m² Flachdächer zur Sanierung an. Selbst Gebäude aus den 70er und 80er Jahren können mit einer wärmedämmenden Dachbegrünung auf den aktuellen Wärmeschutzstand gebracht werden. Der Hauseigentümer kann dadurch die Heizkosten und den Energieverbrauch deutlich senken - inklusive der verbundenen CO2-Emissionen für die Umwelt. Wärmedämmende Dachbegrünungen schonen damit den Geldbeutel und tragen gleichzeitig aktiv zum Klimaschutz bei.

In den letzten Jahren mussten die Vergabekriterien der KfW-Programme aufgrund der starken öffentlichen Nachfrage laufend angepasst werden. Die aktuell gültigen Konditionen können auf der Internetseite der KfW-Bankengruppe (www.kfw-foerderbank.de) abgerufen werden.

Investitionen in Dachbegrünungen zahlen sich aus

Selbst wenn man eine rein betriebswirtschaftliche Sichtweise zu Grunde legt, rechnen sich begrünte Dächer in den meisten Fällen auch ohne kommunale Fördergelder. Dies zeigt eine Kostenstudie des Ministeriums für Bauen und Wohnen in Nordrhein-Westfalen. Die Ursache liegt vor allem in der geringeren Haltbarkeit der Abdichtung auf „nackten“ oder bekiesten Flachdächern und den damit verbundenen Kosten für die nötigen Sanierungsmassnahmen während der Lebensdauer des Gebäudes. Wer sich für einen Dachgarten entscheidet, kann außerdem das Gartengrundstück am Boden reduzieren. Bei Baugrundpreisen von 400-600 Euro/m², wie sie in Ballungsgebieten keine Seltenheit sind, ist das Einsparpotential enorm.

Bei aller Rechnerei darf man aber nicht vergessen, dass sich viele Vorteile der Dachbegrünung gar nicht in Euro und Cent angeben lassen. Dazu gehört zum Beispiel der neue Lebensraum für Pflanzen und Tiere, die Verbesserung des Stadtklimas und natürlich die ansprechende Optik. Dachbegrünungen sind nachhaltige Zukunftsinvestitionen, die neben der finanziellen auch eine ökologische Rendite abwerfen.

Mit Ausnahme der KfW-Förderprogramme gibt es in Deutschland leider noch keine einheitlichen Förderleitlinien für Gründächer. Jede Kommune besitzt ihren individuellen Förder-Mix. Der Deutsche Dachgärtner Verband e.V. bietet Unterstützung und Beratung, wenn es darum geht, die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen der verschiedenen Förderprogramme zu finden.

Autor: Wolfgang Ansel, Deutscher Dachgärtner Verband e.V., www.dachgaertnerverband.de