Seegras Dämmaterial aus dem Meer

© Neptutherm

An den Stränden des Mittelmeeres und der Ostsee liegt abgestorbenes Seegras und verrottet nicht. Auch diese Eigenschaft des Materials kommt seiner Funktion als Dämmung zugute. Zudem kann mit sehr geringem Energieaufwand aus dem Meereslaub nachhaltiges Dämmmaterial hergestellt werden, das sehr gut Feuchtigkeit reguliert.

Ein wesentlicher Vorteil des Rohstoffes ist die Tatsache, dass es aus dem Meer stammt und von daher auf natürliche Weise sehr gut mit Feuchtigkeit umgehen kann. Es ist auf Grund seiner natürlichen Zusammensetzung resistent gegen Fäulnis, Pilze und Schädlinge. Seegras kann durch seinen hohen Silikat- und natürlichen Salzgehalt ohne chemische Zusätze der Brandschutzklasse B2 zugeordnet werden. Dabei ist der Salzgehalt wiederum nicht so hoch, dass das Material hygroskopisch wirkt, also Feuchtigkeit anziehen würde. Das gut dämmende, diffussionsoffene Material bietet außerdem einen sehr guten sommerlichen Hitzeschutz.

Dabei müssen zwei verschiedene Arten von Seegrasdämmung unterschieden werden: Einerseits das aus so genannten Neptunkugeln des Mittelmeeres gewonnene Dämmmaterial, das sich besonders gut als Schüttung, beispielsweise zur Dämmung der obersten Geschossdecke eignet und andererseits Ostseegras, ideal als Stopfdämmung bei der Altbausanierung.

Neptunkugeln als Dämmung

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Primärenergieverbrauch bei Transport, Herstellung und Verarbeitung von Dämmstoffen
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Wärmeleitfähigkeit Lambda verschiedener Dämmstoffe in W/(m*K)

Die sicher auch vielen Touristen des Mittelmeeres als Neptunkugeln bekannten, etwa 2 bis 10 cm großen, filzartigen Bälle stammen von dem dort wachsenden Seegras Posidonia oceanica. Es handelt sich um die abgestorbenen Reste von Blattrippen und Blattscheiden, die durch die Wellenbewegung des Meeres zu kleinen Kugeln geformt und schließlich ans Ufer gespült werden. Hier können die von der Sonne getrockneten Bälle einfach aufgesammelt werden. Um damit zu dämmen, werden sie durch ein Rüttelverfahren von Sand und Kleinstfasern befreit und anschließend gehäckselt.

Die zerkleinerten Seegrasbälle, also die so gewonnene Seegras-Dämmwolle, kann nun auf unterschiedliche Weise, durch schütten, stopfen oder einblasen, eingebracht werden.
Die Wolle eignet sich sowohl zur Dämmung von Decken, für Hohlräume bei der Dach- und Fassadensanierung oder auch als Innen- oder Außendämmung.

Die bauaufsichtlich zugelassene Wolle eignet sich sowohl zur Dämmung von Decken, für Hohlräume bei der Dach- und Fassadensanierung als auch als Innen- oder Außendämmung.

Im Gegensatz zu anderen normal entflammbaren Dämmstoffen konnte für die aus Neptunkugeln hergestellte Dämmwolle zudem festgestellt werden, dass sie nicht glimmt.

Dämmaterial aus Ostseegras

Mit Seegras aus der Ostsee zu polstern und zu dämmen ist an sich keine neue Erfindung. In Norddeutschland gab es noch in den 1950er Jahren Fabriken zur Herstellung von Matratzen und Matten aus Ostseegras.Das Seegras der Ostsee trägt den lateinischen Namen Zostera marina. Die Eigenschaften als Dämmmaterial sind denen der Neptunkugeln sehr ähnlich, Unterschiede gibt es vor allen Dingen in der Verarbeitung.

Bei der Ostseegrasdämmung handelt es sich nicht allein um die Blattrippen und –scheiden des Seegrases, sondern um die gesamte Pflanze und es bilden sich auch keine Kugeln. Die Weiterverarbeitung des Materials erinnert auch eher an den Umgang mit Heu, weshalb auch von „Seeheu“ gesprochen wird. „Geerntet“ wird an den Küstenregionen der Ostsee.

Insbesondere in Dänemark ist diese Tradition nicht vergessen worden. Das Einsammeln und Trocknen des Seegrases bedarf dabei einer gewissen Erfahrung, die sich später in der Qualität des Dämmmaterials zeigt.
Das getrocknete Gras wird anschließend zu Ballen gerollt und so auf die Baustelle geliefert. Das Material lässt sich lückenlos von Hand sehr gut in jeden Winkel stopfen und eignet sich daher besonders für Eigenleister bei der Sanierung.

Schütten, Stopfen, Einblasen

Bisher wird sowohl Ostseegras als auch Dämmmaterial aus Neptunbällen als lose Schüttung bzw. als Stopfmaterial angeboten. Eine feste Dämmplatte oder auch eine Trittschalldämmplatte sind derzeit noch in der Entwicklung. Grundsätzlich ist das Schütten oder Stopfen ohnehin die energiesparendste Methode, um Dämmmaterial einzubringen. Dennoch gibt es Situationen, in denen das Einfüllen und Nachverdichten per Hand nicht funktioniert. Das daher notwendige Einblasen der Dämmung kostet zwar mehr Energie als das Schütten und Stopfen, aber immer noch weniger als die Herstellung von Dämmmatten erforderlich macht.

Übrigens: Beim Arbeiten mit kleinfaserigem Dämmmaterial sollte immer ein Atemschutz getragen werden, auch wenn die Fasern ganz natürlich sind!

 

Übersicht

Wärmeleitfähigkeit (W/m*K) 0,039 - 0,046
Diffusionswiderstandszahl μ 1 - 2
spezifische Wärmekapazität c (J/kgK) 2.502
Rohdichte ρ (kg/m3) 65 - 75