Holzfaserdämmplatten zur Dämmung eines Ziegelmassivhauses

Frage von oekobauenj | 15.08.2017
Bei einem vorliegenden Sanierungsfall bin ich aus ökologischen Gründen an der Verwendung von Holzfaserdämmplatten zur Dämmung einer Außenwand eines Haus (Baujahr 1972) in Massivbauweise interessiert (Ziel: Erreichung Gesamt-Außenwand U-Wert eines Niedrigenergiehauses mit ~ 0,16 W/m^2K)

Außenwand Untergeschoß: Hochlochziegel 36 cm inklusive Innen- und Außenputz, Vermutung: 30er Ziegel mit Innen und Außenputz

Außenwand Obergeschoß: Hochlochziegel 30 cm inklusive Innen- und Außenputz, Vermutung: 25er Ziegel mit Innen und Außenputz

Interessiert wäre ich konkret an folgenden Details:

A: Gibt es Erfahrungswerte bzw. -berichte zu Langzeitverhalten (Lebensdauer) von Holzfaserdämmplatten im Einfamilienhausbau?

B: Erfahrungswerte bzw. -berichte zur Empfindlichkeit von Holzfaserdämmplatten gegenüber Wasseraufnahme (d.h. Schadensanfälligkeit) wenn ein diffusionsoffener Putz zur Anwendung kommen soll? Wie und mit welchen Mitteln erfolgt die Imprägnierung im Detail (gesundheitsschädigend)?

C: Bezüglich Brandsicherheit werden Holzfaserdämmplatten mit Brandschutzklasse B2 bewertet. Gibt es Holzfaserdämmplatten auch mit Brandschutzklasse B1?

D: Gibt es obige Informationen im Vergleich zu am Bau bewährten Dämmmaterialien wie Tektalan (Holzwolle-Mehrschichtplatte mit Steinwollekern) und Heraklith (Holzwolle und mineralischen Bindemitteln Zement oder Magnesit)?

E: Ansichten bezüglich energieoptimaler Dämmung der oben beschriebenen Außenwände?

Besten Dank für jeden Input!
Antwort von Arnold | 18.08.2017
Mein Nachbar hat 1998, also vor fast 20 Jahren sein Haus mit Holzfaserplatten gedämmt. Seit dem nichts wieder dran gemacht, sieht prima aus. Der Putz ist mineralisch, dampfoffen.
Das ist für mich der wichtigste Punkt: nicht wasserabweisende (Kunsstoff-) Putze verwenden, sondern 'wasseraufsaugende', die dadurch 'zumachen'. Die landläufige Angst vor Eindringen von Regen ist ziemlicher Unsinn, das wichtigere Problem ist der Dampf, der vom Hausinnern nach außen will. Da finde ich ein Holzfaserdämmsystem mit offenem Putz viel sicherer. Sie bekommen ein dauerhaft schadensfreie Wand, kein Schimmel mehr. Auch keine Probleme wenn von außen durch eine Beschädigung des Putzes ein bisschen Wasser eindringen sollte. Die Holzfasern können Wasser problemlos aufnehmen, weiterleiten und nach außen verdunsten. Eigenschaften, die andere Materialien nicht haben, meiner Ansicht nach auch nicht die von Ihnen angesprochenen.
Soweit ich weiß, können WDVS-Systeme wie Steico protect als auch Pavatex bis zu F90B bringen. Beim Einfamilienhaus ist aber gar keine Auflage zu erfüllen, oder?
Die Dicke der Dämmung würde ich persönlich nicht unter 14 cm ausführen, wenn man schon mal dabei ist. Wichtig ist sicher die Leibungsdämmung an den Fenstern und die sorgfältige Wärmebrückenvermeidung an auskragenden Balkonen oder ähnlichem. Das gilt aber für jedes Dämmsystem.
Antwort von PAVATEX | 24.08.2017
Hallo Oekobaueni,

die Lebensdauer von Holzfaserdämmstoffen hängen hauptsächlich von deren Verarbeitung ab. In der Fassade als WDVS ist die Wahl der richtigen Putzkomponenten sowie besondere Sorgfalt bei der Ausführung der Detailanschlüsse wie im Sockelbereich und an den Fenster-/ Türanschlüssen entscheidend. Wenn sie sich ein entsprechendes WDV-System ausgesucht haben, die Details sorgfältig ausführen und die Verarbeitungsrichtlinien beachten, können sie von einer Lebensdauer von > 50 Jahren ausgehen ! ( Untersuchung Frauenhofer Institut )
Bei Holzfaserdämmplatten, die für ein WDVS zugelassen sind, werden im Herstellungsprozess ein kleiner Anteil Latex und Paraffin (Kerzenwachs) beigemischt. Diese Beimischung mindert die Wasseraufnahme der Platte so dass eine Freibewitterung von 2 Monaten gewährleistet werden kann. Innerhalb dieses Zeitraums muss dann die Beschichtung mit einem systemkonformen, mineralischen Klebe-und Armiermörtel erfolgen. Eine Imprägnierung der Holzfaserdämmung ist nicht notwendig!
Aktuell befinden sich auf dem Markt keine Holzfaserdämmung, die nach der DIN 4102-1 die Anforderungen an B1 erfüllen. Dies spielt im Ein-und Zweifamilienhausbereich auch keine Rolle. Viel wichtiger ist, das Holzfaserdämmstoffe ein sehr gutes Brandverhalten aufweisen. Im Falle eines Brandes bildet sich eine Verkohlungsschicht auf der Dämmplatte die die Sauerstoffzufuhr und das ausbreiten des Brandes behindert.
WDVS aus Holzfasern sind mittlerweile seit 20 Jahren im Einsatz und haben sich längst bewährt. Ein Vergleich mit anderen Produkten , lässt sich nur über die einzelnen Eigenschaften machen. Da es ihnen hauptsächlich um die Wärmedämmung geht, ist die Wahl der Holzfaser richtig.
Um den u-Wert von 0,16 W/m²K bei einer 30 cm Vollziegel Mz 1400 zu erreichen, brauchen sie ca. 20-24 cm Holzweichfaser.

Weitere Informationen erhalten sie unter

https://www.pavatex.de

Antwort von Trebbe | 22.12.2017
Hey oekobauenj,
ich weiß nicht, ob für dich das Thema mittlerweile gelaufen ist und ich habe selbst noch keine persönlichen Erfahrungen gemacht, weil bei mir das Thema Hausbau gerade erst anläuft. Aber zum der Frage nach der Wasserbeständigkeit habe ich bei Kemmler ein paar interessante Infos zu Holzfaserdämmplatten gelesen: https://www.kemmler.de/sortiment/dach-und-fassade/dachdaemmung/holzfaserdaemmplatten
Häufig wird bei der Herstellung der Dämmplatten Harz oder Bitumen zugemischt, die die Platten vor Wasser schützen. Kannst ja mal reinlesen, ob es dir weitere Infos gibt.
Beste Grüße
Thomas
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