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Lebendige Architektur

Brücken aus lebenden Baumwurzeln im indischen Meghalaya

© Ashwin Kumar

Im nordöstlichen indischen Bundesstaat Meghalaya haben in den Khasi Hills die Bewohner abgelegener Dörfer lebende Brücken errichtet. Sie bestehen aus den Wurzeln des Gummibaums (Ficus elastica), die mit Hilfe von Bambus und Stämmen des Betelnussbaums in Form gebracht werden. Diese außergewöhnlichen Beispiele „Lebendiger Architekur“ erfordern neben dem nötigen Know How vor allem eines - Geduld!   Denn bis zu 15 Jahre dauert es, bis eine Brücke von 15 bis 20 Meter herangewachsen ist und benutzt werden kann. Doch im Gegensatz zu anderen Bauwerken nutzen sich die lebendigen Brücken nicht ab, sondern werden mit der Zeit sogar stabiler, da die Wurzeln dicker werden. Die ältesten Brücken dieser Art sollen bis zu 500 Jahre alt sein und eine Tragfähigkeit von bis zu 50 Personen haben. Einzelne Brücken überspannen eine Strecke von bis zu 30 Metern.

Doch der Ort Cherrapunji, in dessen unmittelbarer Umgebung sich ein Großteil der lebendigen Brücken befindet, hat noch aus einem anderen Grund Berühmtheit erlangt. Denn mit ca. 12.000 mm Jahresniederschlag gilt die Gegend als die regenreichste der Erde. Hier findet der Gummibaum, der in der Regel eine Wuchshöhe von 20 bis 40 Meter erreicht, ideale Wachstumsbedingungen.

Die Brücken selbst werden aus den Luft- und Brettwurzeln des Gummibaumes erstellt. Um die Wurzeln in eine bestimmte Richtung wachsen zu lassen, werden dünne Stämme des Betelnussbaums längs halbiert und ausgehöhlt. Sie dienen, unterstützt von Bambusstangen, als Leitsystem. Auf der anderen Seite des Flusses lässt man die Wurzel schließlich in den Boden wachsen.

Noch heute werden die Brücken rund um Cherrapunji täglich benutzt. Besonders bemerkenswert ist die Doppeldeckerbrücke nahe dem Dorf Nongriat (siehe Fotos).