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Lüftungsanlagen

Dezentrale und zentrale Anlagen im Vergleich

Lüftungsschlitz in Außenwand
© Serenethos - Fotolia.com

Wer Heizkosten einsparen will, der muss sein Haus nicht nur mit einer gedämmten Fassade ausstatten, sondern auch die Fenster mit einer Dreifachverglasung auf den neuesten Stand bringen und für die Winddichtigkeit des Gebäudes sorgen. Doch wenn kein Luftaustausch mehr gegeben ist, kommt es in den Innenräumen zwangsläufig zu einer höheren Konzentration von Schadstoffen und zu mehr Feuchtigkeit in der Raumluft. Nicht selten sind Schimmel und feuchte Wandstellen unangenehme Folgen davon. Dies gilt insbesondere für Schlafräume, Bäder und die Küche, da hier hohe Mengen an Feuchtigkeit in die Luft gelangen und dadurch das Risiko von Schimmelbildung besonders hoch ist. Wichtig ist deshalb eine konsequente Belüftung der Räume, die durch Fensterlüftung oder moderne Lüftungsanlagen erreicht werden kann.

Fensterlüftung

Am weitesten verbreitet ist noch immer das manuelle Lüften über die Fenster. Diese Methode hat den großen Vorteil, dass sie nicht mit zusätzlichen Kosten verbunden ist und überall durchgeführt werden kann. Im Sommer funktioniert das auch sehr gut. Hier werden die Fenster meist dauerhaft gekippt, was für ausreichend Luftaustausch sorgt. Mit Beginn der Heizperiode führen jedoch dauerhaft gekippte Fenster zu hohen Wärmeverlusten. Um „dicke Luft“ in den Innenräumen zu vermeiden, empfehlen Experten deshalb drei bis vier Mal pro Tag durch Stoßlüften für einen kompletten Luftaustausch zu sorgen. Eine solche Regelmäßigkeit ist jedoch aufwändig und wird in der Praxis nur selten eingehalten. Bei der ausschließlichen Lüftung über das Fenster spricht man deshalb auch gerne von „Zufallslüftung“.

Lüftungsanlagen als technische Alternative

Wer sich mehr Komfort und eine höhere Effektivität bei der Raumlüftung wünscht, der sollte über den Einbau einer Lüftungsanlage nachdenken. Diese nimmt dem Bewohner das lästige Öffnen und Schließen der Fenster komplett ab und bietet je nach Ausführungsart weitere interessante Möglichkeiten wie Wärmerückgewinnung und Klimatisierung.

Doch bevor wir auf die zahlreichen technischen Details bei Lüftungsanlagen eingehen wollen, ist es sinnvoll zwei wesentliche Anlagentypen zu unterscheiden. Lüftungsanlagen können nämlich als dezentrale, unabhängige Geräte oder als zentrale Anlage betrieben werden. Beide Anlagentypen haben spezifische Vor- und Nachteile, die im Folgenden näher beschreiben werden.
Ein weiterer wichtiger Aspekt beim Kauf einer Lüftungsanlage sind die technischen Merkmale und die qualitative Ausführung der Geräte. Da eine detaillierte Darstellung dieser Aspekte den Umfang dieses Beitrags sprengen würde, möchten wir auf einen Artikel von Creoven verweisen, indem die wichtigsten Qualitätsrichtlinien zusammengestellt sind.

Dezentrale Lüftungsanlage für einzelne Räume

Eine dezentrale Lüftungsanlage wird in dem Raum installiert, in dem die Belüftung erfolgen soll. Es werden zwei verschiedene Systeme unterschieden:

Abluftanlage

Die bekannteste Form ist eine einfache Abluftanlage, wie Sie gerne in Bädern oder Küchen installiert wird. Dabei sorgt ein Ventilator über einen Abluftkanal für den Abtransport der feuchten oder geruchsbelasteten Luft.
Eine kontrollierte Belüftung ist mit einer solchen Anlage allerdings nicht möglich. Der Vorteil liegt in der Einfachheit des Systems und den geringen Kosten. Auch treten keine hygienischen Probleme beim Betrieb einer reinen Abluftanlage auf.

Zu- und Abluftanlage

Bei einer kombinierten Zu- und Abluftanlage wird neben der Abluft auch die Zuluft geregelt. Dies geschieht entweder zeitlich versetzt (Phasen der Be- und Entlüftung wechseln sich ab) oder gleichzeitig durch zwei voneinander getrennte Lüftungskanäle.
Um Wärmeverluste zu verringern werden inzwischen auch dezentrale Lüftungsanlagen mit einer Wärmerückgewinnung angeboten. Durch einen integrierten Wärmetauscher können so Wärmeverluste auf ein geringes Maß vermindert werden.

Eine dezentrale Lüftungsanlage ist immer dann sinnvoll, wenn nur einzelne Räume in einem Gebäude technisch belüftet werden sollen. Dezentrale Anlagen kommen zudem immer dort zum Einsatz, wo der nachträgliche Einbau einer zentralen Lüftungsanlage technisch nicht möglich oder zu aufwändig ist. Dies ist meist in Altbauten der Fall. Ein wesentlicher Nachteil eines dezentralen Lüftungsgerätes ist die mögliche Lärmbelästigung. Wenngleich die Lautstärke hochwertiger Lüftungsgeräte heute sehr gering ist, kann insbesondere in Schlafräumen eine Beeinträchtigung nicht ausgeschlossen werden. Sollen alle Räume eines Hauses mit dezentralen Lüftungsgeräten ausgestattet werden, so ist der Kostenvorteil oft nicht mehr gegeben.

Zentrale Lüftungsanlage versorgen ganze Wohnungen oder Häuser

Zentrale Lüftungsanlagen kommen mit nur einem Lüftungsgerät aus. Die Be- und Entlüftung der einzelnen Räume erfolgt über Lüftungskanäle, wobei bei diesem System zwischen kontrollierter und passiver Belüftung unterschieden werden kann.

Passive Belüftung

Bei einer zentralen Lüftungsanlage mit passiver Belüftung sorgt das Lüftungsgerät für die Entlüftung der Räume. Dadurch entsteht in den Räumen ein Unterdruck. Dieser sorgt dafür, dass durch ein in die Außenwand eingelassenes Belüftungsloch frische Luft nach strömt. Da Zu- und Entlüftung räumlich voneinander getrennt sind, kann die Zuluft nicht durch die Abwärme der Abluft aufgewärmt werden. Dies ist ein wesentlicher Nachteil dieses Systems. Der Vorteil liegt in den geringeren Kosten. Zudem sind hygienische Probleme durch fehlende Zuluftkanäle weitestgehend ausgeschlossen.

Kontrollierte Be- und Entlüftung

Erst bei einer kontrollierten Be- und Entlüftung kann eine Lüftungsanlage ihre vielfältigen Möglichkeiten ganz ausspielen. Bei diesem Anlagentyp ist eine Wärmerückgewinnung mit einem Wirkungsgrad von über 90% inzwischen Standard, was besonders für Passivhäuser interessant ist. Auch kann dieser Anlagentyp mit einer Wohnraumklimatisierung kombiniert werden. Das ist vor allem in Verbindung mit einer Wärmepumpe interessant, die neben der Heizfunktion auch die Möglichkeit zur Kühlung besitzt. Verschiedene Hersteller bieten bereits derartige Kombigeräte an.

Zentrale Lüftungsanlage mit kontrollierter Be- und Entlüftung

Zentrale Lüftungsanlagen mit kontrollierter Be- und Entlüftung kommen vor allem für Neubauten infrage. Um einen hygienischen Betrieb einer solchen Anlage sicher zu stellen, muss allerdings in regelmäßigen Abständen eine Wartung durchgeführt werden.
Bei einer zentralen Lüftungsanlage fallen also Anschaffungskosten und regelmäßige Kosten für Wartung und Betrieb an.

Vergleich der Eigenschaften dezentraler und zentraler Lüftungsanlagen

Dezentrale Lüftungsanlage

Zentrale Lüftungsanlage

Einfach zu installieren

Aufwändig zu installieren

Geeignet für den Einbau in Altbauten

Meist ungeeignet für den Einbau in Altbauten

Ideal beim Einbau in einzelne Räume. Kostengünstig

Macht nur Sinn bei der Ausrüstung ganzer Häuser/Wohnungen. Je mehr Wohneinheiten desto wirtschaftlicher.

Klimatisierung meist nicht möglich

Klimatisierung möglich

Geräuschentwicklung vor allem in Schlafräumen kann störend sein

Geräuschentwicklung durch zentrales Lüftungsgerät unproblematisch