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Biogas aus Abwasser

Hamburg-Jenfeld
Animation des neuen Wohnviertels Hamburg-Jenfeld | © West 8, Rotterdam

Im Hamburger Stadteil Wandsbek entsteht seit Oktober 2013 ein neues Wohnviertel. Auf einer Fläche von 35 ha werden 770 Wohneinheiten für circa 2.000 Einwohner gebaut. Das besondere an dem Wohnbauprojekt, das auf dem Areal zweier ehemaliger Kasernen entsteht, ist allerdings das Energie- und Abwasserkonzept.

Getrennte Erfassung der Abwasserströme

Denn das Abwasser wird bereits in den Gebäuden in die drei Abwasserströme Regenwasser, Grauwasser (aus Bad und Küche) sowie Schwarzwasser (aus den Toiletten) getrennt und lokal behandelt. Das Schwarzwasser wird per Unterdruckleitung dem neu errichteten Betriebshof am Rande des Wohnquartiers zugeführt. Dort wird durch anaerobe Behandlung dieser Abwasserfraktion Biogas gewonnen. In Mikrogasturbinen wird dieses dann zu Strom und Wärme umgewandelt. Bis zu 50% des Strombedarfs und bis zu 40% des Wärmebedarfs im Quartier können auf diese Weise klimaneutral gedeckt werden.

Unterdrucktoiletten erhöhen die Wirtschaftlichkeit der Biogas-Erzeugung

Um den Aufwand der Biogas-Erzeugung aus dem Schwarzwasser möglichst gering zu halten, müssen in allen Wohnungen spezielle Unterdrucktoiletten eingebaut werden. Diese  haben mit 0,8 bis 1,2 Liter pro Spülvorgang einen wesentlich geringeren Spülwasserbedarf als herkömmliche Spülschüsseln. Die Konzentration organischer Substanzen im Abwasser ist dadurch allerdings wesentlich höher, was die Aufbereitung zu Biogas erleichtert.
Neben dem Einbau von Unterdrucktoiletten müssen die Gebäude noch mit einer Unterdruck-Abwasserleitung für das Schwarzwasser ausgestattet werden.

Förderung durch EU LIFE+ und BMBF und BMWi

Das in seiner Dimension bisher einzigartige Projekt zur Nutzbarmachung der im Abwasser enthaltenen Energie wird durch Mittel aus dem EU LIFE+ Programm sowie durch Bundesmittel vom Wissenschaftsministerium BMBF und Wirtschaftsministerium BMWi gefördert. Denn insbesondere die Investitionskosten für das getrennte Abwasserleitungsnetz und den lokalen Betriebshof liegen deutlich über den Kosten für eine konventionelle Wärme- und Stromversorgung.